Posts

Es werden Posts vom April, 2018 angezeigt.

Neustart

Zur Zeit sitze ich wieder oft und gern an den Abenden bei mir zu Hause und singe mir selbst etwas auf meinem neuen Gitarrenverstärker vor. Das macht mich sehr glücklich. Es ist genau die Art von Musik, die mir gefällt und die Texte könnten von mir sein. Sind sie ja auch. Hin und wieder ist es mir ein bisschen unheimlich, dass ich mir selbst so gut gefalle, aber das geht ziemlich schnell vorbei. Also das Erste, dass es mir unheimlich ist. Ich sage mir dann, ich muss schließlich ein Leben lang mit mir zusammenbleiben, da habe ich gar keine andere Wahl, als mich selbst ein bisschen zu mögen. Ich könnte ja nirgendwo hin, wo ich nicht auch wäre. Also vertragt euch! Außerdem freue ich mich, dass ich schon jetzt, ein paar Jahre vor meinem 60. Geburtstag, ein schönes Abendprogramm mit mir selbst gestalten kann. Das war ja nicht immer so. Aber alles, was ich vorher gemacht habe, hat letztlich dazu geführt, dass einmal dieses Ehepaar hereinkam und mich fragte, ob ich der Künstler(!) sei, der m…

Zeit, aufzustehn

Dauermüde… Das Gute daran ist, dass der Tag wie ein Film an einem vorbeizieht. Dinge passieren einfach. Ich mache mir keine Gedanken mehr, was ich dazu beitragen könnte. Ich gebe mein Bestes, aber ich plappere entweder irgendwelches Zeug oder dämmere vor mich hin. Das Schlechte daran ist, dass der Zustand irgendwie nicht mehr weggeht. Schlafen schafft keine Abhilfe. Ich schlafe zwar sofort ein. Aber ich wache auch sofort wieder auf. Gefühlt bin ich einfach immer wach. Warum auch nicht? Wer schläft, kriegt ja gar nichts mit. Ich, der ich eine ganze Nacht lang wach im Bett liege, bin wahrscheinlich der Einzige, der weiß, was das Herz in so einer Nacht leistet. Es schlägt doppelt so schnell, wie am Tag. Ich wundere mich eigentlich, dass ich bei diesem Gewummere einmal schlafen konnte.

Eben war ich mal wieder kurz weggenickt. Gemerkt? Natürlich nicht. Wenn ich mit einem Stift schreiben würde, wäre ein ziemliches Gekrakel auf dem Blatt. Ich schaffe eigentlich keine Zeile, ohne einzuschla…

Trinken mit Verstand

Der Trick mit der Bombe ist jetzt doch nicht aufgegangen. Eigentlich sollte die Höllenmaschine ein Loch in die Hauptstadt sprengen, groß, wie das Nördlinger Ries, in dem alle Probleme verschwinden und ein für allemal begraben werden können. Die Bombe war aber zu alt und man ist stattdessen einfach wieder zur Tagesordnung übergegangen. Das bedeutet, dass die Bundesregierung weiter regieren muss, der Hauptbahnhof Bahnhofsballett spielen und der Flughafen sich weiter tot stellen muss. Außerdem werden immer weiter einfach noch mehr Menschen in die wenigen Biergärten der Stadt strömen. Weil es wegen der Menschenmassen am Ausschank gar nicht mehr möglich ist, sich noch ein zweites oder gar ein drittes Glas Bier zu kaufen, wird gleich beim ersten Mal der vierfache Preis aufgerufen. Das ist alles nicht schön, aber es ist nun mal meine Welt und ich muss mich darin einrichten. Es hilft einem ja nicht weiter, deswegen ständig schlechte Laune zu haben. Aber man versteht doch ein bisschen, warum …

Ohne Maschinen

In dieser Woche fahren die Männerfreunde wieder zum Wandern und ich darf nochmal mit. Dazu werden sich die Temperaturen hoffentlich in einem Bereich zusammenfinden, der das Bewegen an frischer Luft noch ohne ernsthafte Gefährdungen der Männergesundheit gestattet. In der vergangenen Woche habe ich schon mal ein bisschen trainiert und weiß zumindest, dass die Temperatur im Spreetunnel in Friedrichshagen zum Wandern völlig ungeeignet ist. Mein immer gut informierter Freund Axel (alt), konnte dazu ausführen, dass der Tunnel ursprünglich zum Kühlen von Bierfässern angelegt wurde. Das mag zutreffen oder auch nicht, jedenfalls ist es dem Kreislauf von Mittfünfzigern nicht zuträglich, derartig abrupte Temperaturwechsel vorzunehmen. Ich verlor sofort die Orientierung, was auch an den beschlagenen Brillengläsern gelegen haben mag und hätte im unwegsamen Heidegebiet des Stadtflusses zweifellos verschmachten müssen, wenn nicht ein unbändiger Überlebenswille zu meiner genetischen Grundausstattung…

Ballast

Was wurde nun eigentlich aus dem Fahrrad? Tja, was soll ich sagen? Es kommt eben so, wie ich es mir ausdenke. Seltsamerweise ist mir das in dem Augenblick, in dem sich die Dinge ereignen aber nicht bewusst. Ich überreichte voller Vorfreude auf einen großartigen Fahrrad-Sommertag meinen Abholschein. Freitag wurde auf einmal sehr aufgeregt. Es gäbe Probleme! Große Probleme!! Ich sollte mitkommen. Mich erinnerte das alles an eine Szene aus den Mosaik-Heften mit der Abrafaxe. Da hatte der Wirt die Muskete von Abrax als Hebel auf eine verbogene Wagenachse gesteckt und kriegte sie nicht mehr runter. Die Muskete war danach hinüber. So ungefähr zeigte mir Freitag am Freitag mein Fahrrad und es sah auch ungefähr so aus, wie die Muskete von Abrax. Da es sich um ein Motorfahrrad handelte, hatte es ein sensorisches Tretlager und das konnte Freitag nicht so ohne Weiteres beschaffen. Erstens gäbe es lange Lieferzeiten und zweitens wäre es nicht ganz billig. Er schätze mich so ein, dass ich so eine…
Bild

Keine Wahl

Man muss sich das Leben vielleicht wie ein Bild vorstellen, nur dass wir das fertige Bild eben nicht zu Gesicht bekommen, denn das fertige Bild sind wir selbst. Manchmal „erinnern“ wir uns daran, wie es weitergeht. Das ergibt dann diese deja-vu-Momente, die einem deshalb so bekannt vorkommen, weil das Bild ja schon fertig ist. Zu meinem Bild gehören alle Lieder und Geschichten und ein Roman-Fragment. Ich habe deutlich genug gesehen, dass es ein Fragment bleibt. Wenn man großes Glück hat, sieht man sein Bild in seinem allerletzten Augenblick und dann versteht man es, wenn man noch klar genug im Kopf ist, um zu verstehen. Das ist aber für die Schönheit des Bildes nicht notwendig. Das Bild muss sich ja nicht selbst schön finden und verstehen muss es sich selbst gleich gar nicht. So ein Bild ist ja auch nicht für alle Menschen gleich schön und manche können gar nichts damit anfangen. Aber irgendjemanden gibt es, der es in sein Herz schließt. Das Leben ist nun aber nicht für die Menschen …

Der Sommer

Den Tag über schreibe ich gute Ideen auf kleine Zettel, worüber man schreiben könnte. Wenn ich dann endlich mal dazu komme, mich auf den Hosenboden zu setzen, schreibe ich aber niemals etwas von den guten Ideen. Wenn ich überhaupt schreibe, schreibe ich etwas völlig anderes. Am Ende bilden die Zettel so eine Liste von Themen, über die ich auf gar keinen Fall schreiben werde. Niemals! Eine Not-to-do-Liste. Ich weiß nicht, warum das so ist. Wenn ich will, dass etwas garantiert nicht erledigt wird, muss ich es mir nur fest vornehmen. Allein die Dinge, von denen ich noch gar nicht weiß, dass es sie überhaupt gibt, werden sofort erledigt. Das geht sozusagen von selbst. Statt einen Text zu schreiben bestelle ich zum Beispiel gerne im Internet. Ich könnte auch die ganzen Versandbenachrichtigungen aneinander kopieren, die während eines Schreibversuchs so eintrudeln oder die Benachrichtigungen, dass meine Kreditkarte belastet oder etwas von meinem PayPal-Konto bezahlt wurde. Dann wäre das Bla…

Freitag

In meiner Garage habe ich den Montageständer aufgestellt. Heute ist aber Donnerstag, darum fuhr ich mit dem Fahrrad zu Berger nach Bernau. „Ich glaube, hier ist was lose“ sagte ich und wackelte mit dem Tretlager. Herr Berger lachte und entgegnete „Mit Sicherheit!“ Es ist zum Glück nicht mehr Herr Berger, denn der hätte mir jetzt ein neues Fahrrad verkauft und mich auch noch dazu gekriegt, das alte auf dem Gepäckträger wieder mitzunehmen. In der Garage hätte ich es dann zu den anderen kaputten Rädern gestellt. Der andere Mann sagte „Freitag“ und verschwand mit meinem Rad in der Werkstatt. Ich ging meiner Wege. Heißt der Mann jetzt Freitag oder soll ich Freitag das Fahrrad abholen? Ich kann nicht jedesmal nachfragen, das wirkt so begriffsstutzig. Es ist ja auch egal. Hauptsache, sie machen das Fahrrad wieder ganz, denn jetzt könnte man schön umherfahren. Das ging zuletzt nicht mehr. Erst quietschte es und dann machte es immer öfter „krrrrkkkhh“ und ich trat ins Leere. Ich glaube, ich b…

Auf, auf und davon

Ich muss schon sagen, das Bahnfahren hat mir neulich so viel Spaß gemacht, dass ich mir schon wieder eine Fahrkarte gekauft habe. Ob ich wirklich fahre weiß ich noch nicht, aber die Storno-Gebühr beträgt 19 Euro, das finde ich durchaus vertretbar. Das Schöne am Bahnfahren ist, dass es zwar planbar, aber doch so prinzipiell unvorhersehbar ist. Es kommt auf jeden Fall irgendwas dazwischen. Dass muss nicht zu einem völlig anderen Ergebnis führen, aber man kann nicht genau wissen, was einem passiert. Und das auf jeder Reise! Ich bin mehr als 15 Jahre lang immer auf derselben Autobahn gefahren, bis sich dann einmal etwas Unvorhergesehenes ereignet hat. Bis dahin einfach nur öde Langeweile. Beim Bahnfahren ist keine Fahrt wie die andere. Es ist jedes Mal ein Abenteuer. Eigentlich ist Bahnfahren heute, das wurde mir klar, so wie Yoga in den 80ern. Oder wie Hochseeangeln oder wie Bergsteigen. Man lernt etwas über sich selbst, kommt an seine Grenzen und erweitert sie spielerisch. Darum sind d…

Alsuna - Penelope´s Song

Bild

Vorbild werden

Mit der Sprache ist das immer so eine Sache. Man ringt um Worte und Begriffe und meistens kommt nur Murks dabei raus. So gab es zum Beispiel mal eine Zeit, da hat man ganz selbstverständlich von den Behinderten gesprochen. Vorausgesetzt, man gehörte selbst nicht dazu. Behinderte, das waren immer die anderen. Meine ersten Begegnungen mit Behinderten hatte ich in der Freizeitarbeit als Mitarbeiter und Organisierer von Gruppenreisen. Da hießen die Behinderten dann Teilnehmer. Einmal bin ich durcheinander gekommen, als wir eine Fahrt mit behinderten und nicht behinderten Teilnehmern hatten und ich nur die nichtbehinderten versammeln wollte, um etwas zu besprechen. Was sagt man da? Nur die ohne Ausweis?

Behinderte wohnten in Behindertenheimen. Am Anfang dieses Jahrtausends begann ich, für solche Heime zu arbeiten. Dann sollte man irgendwann besser nicht mehr „Behinderte“ sagen. Wir sagten „Bewohner“ und die Heime wurden zu Wohnstätten. Die Bewohner wurden dann ziemlich schnell zu Kliente…

Friedlich und sanft

Es tut mir leid, aber ich mag einfach keine Männer. Ich bin viel lieber unter Frauen. Ich selbst bin ganz froh, keine Frau zu sein, denn ich genieße natürlich gern alle Vorzüge einer männerdominierten Welt, ich kann sie aber nun mal nicht leiden. Inzwischen kann ich auch keine Fernsehnachrichten mehr sehen, wenn sie von Männern vorgetragen werden, Radio hören geht auch nicht mehr. Ich erinnere mich manchmal an den Geruch in der Männerumkleide bei Stahl Hennigsdorf. Dann wird mir übel. Wie gesagt, bei Frauen ist mir wohler. Leider ist es bei den meisten Frauen andersherum. Es dauert nie lange und sie schleppen irgendwelche Männer an. Ohne zu fragen und ganz selbstverständlich. Nur deswegen muss ich auch den Kontakt zu Frauen auf das Notwendigste einschränken. Das ist übrigens auch in monogamen Beziehungen so. Ich bin oft genug darauf hereingefallen. Erst ist man selbst der Mann der angeschleppt wird und sitzt grinsend in der Küche, während der andere seine Sachen packt. Nur wenig spät…

Im Frühling

In der Wäsche habe ich die langen Unterhosen gefunden. Es gibt sie also wirklich. Darüber hinaus kann es nicht allzu lange her sein, dass ich sie getragen habe, denn ich wasche meine Wäsche ziemlich regelmäßig. Das sind die Fakten. Vorstellen kann ich mir das alles nicht. Selbst Socken scheinen mir im Augenblick für eine andere Klimazone gemacht zu sein. Die andere Klimazone ist aber nicht sehr weit weg. Wenn ich den Temperaturmeldungen im Internet vertrauen kann, ist es an der Ostsee noch richtig kalt bei einstelligen Celsius-Graden. Da bin ich doch ganz froh, dass ich erstmal nicht an die Ostsee fahre. Der Winter war nichts weiter, als ein böser Traum, den der Frühling geträumt hat, während er schlief. Jetzt ist er wieder richtig wach und lacht über den dummen Traum. Er lacht so sehr, dass er vergißt, es an der Ostsee warm werden zu lassen. Nun ist aber auch mal wieder Schluss mit dem albernen Gelache. Mit dem Herumgegacker. Wir sind doch nicht auf dem Hühnerhof!

Gestern früh wollt…

Freiheit

Die schönste Zeit des Jahres ist da: Es sind die Tage vor dem Urlaub. Sie schmelzen dahin. Das ist schön und aufregend und so traurig zugleich. Denn wenn der letzte Tag vor dem Urlaub vergangen ist, beginnt der Urlaub - und das heißt, er geht zu Ende. Vom ersten Tag an. Leider ist es mir noch nicht gelungen, eine andere Sicht auf die Dinge zu bekommen. Das wäre aber notwendig, um auch die Tage des Urlaubs genießen zu können und sie nicht mit stetig wachsendem Bedauern dahin zu bringen. So geht es mir noch mit allen Dingen, deren Endlichkeit absehbar ist: Meine Vorfreude auf ein Glas Hefeweizen ist geradezu grenzenlos. Das volle Glas jedoch erfüllt mich mit Trauer, denn es wird nur zu bald wieder leer sein. Mit dem Leben geht es mir zum Glück nicht so, denn ich kann das Ende nicht sehen. Es erscheint mir unendlich und so trauere ich nicht um den vergangenen Tag, denn morgen kommt ein neuer. Ich weiß schon, dass auch das nicht stimmt, aber es fühlt sich eben so an. Fürs Erste will ich …

Krambambuli

Eigentlich, also wenn man es ganz ganz genau nimmt, müsste der Müll noch raus. Besser heute noch. Aber wer weiß, wird bei der Müllabfuhr nicht gestreikt? Es wäre doch schade, wenn ich den Müll wieder hoch tragen müsste, weil die Mülltonnen voll sind. Aber diese Ausrede ist selbst mir zu blöd. In Wirklichkeit habe ich Angst, dass irgendwas mit dem Schlüssel sein könnte. Ich könnte den falschen Schlüssel greifen, die Tür zuziehen und zack - stehe ich da. Im Moment ist das aber nicht schlimm, weil die Balkontür offen steht. Dann muss nur der Nachbar zu Hause sein und mich über seinen Balkon auf meinen klettern lassen. Ich musste das schon mal in meinem Elternhaus für die Nachbarn machen, die sich ausgesperrt hatten. Das war aber im 4. Stock! Zwischen den Balkonen war ein Sichtschutz, den ich umklettern musste. Ich wurde ausgewählt, weil ich klein und leicht war. Meine Mutter hielt mich an der Gürtelschlaufe fest. Wäre ich abgerutscht, hätte sie mich bestimmt gehalten.

Weil ich so doch …

Gesunde Selbststeuerung

Die Hefesaison hat begonnen. Endlich! Man war ja kein Mensch mehr. Das wintertypische Dunkelgetränk verfinstert doch irgendwie auch das Gemüt. Aber jetzt ist wieder alles gut, alles ist hell und es ist warm genug, dass der Bernstein endlich flüssig wird.
So.
Ich hatte mir eigentlich vorgestellt, dass mein kleines Gedicht über das Hefeweizen doch etwas mehr Zeilen füllen würde. Das ist jetzt so nicht eigetroffen. Aha.
Ich lasse mir die Enttäuschung aber nicht anmerken. Ich lache sie einfach weg. Hahahahahaha.
In gewisser Weise ist das hier auch ein Test, nach wieviel Gläsern Hefeweizen ich definitiv nicht mehr in der Lage bin, einen Text zu schreiben. Leider habe ich vergessen, für jedes Hefeweizen einen Strich zu machen. Darum muss ich den Test morgen noch einmal wiederholen. Darüber hinaus wäre es auch interessant zu erfahren, wie sich eigentlich die anderen Autoren so stimulieren. Schreiben findet ja meistens unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, man kann also alles machen…

Unterschiedliches

Ich sitze auf einem Einzelsitz am Fenster und auf der anderen Gangseite sitzt eine Dame, die in meine Richtung schaut. Ich kann nicht direkt hingucken, aber ich vermute mal, sie schaut aus dem Fenster. Aus meinem Fenster! Ich grübele darüber nach, wie ich das unterbinden könnte. Ich könnte das Rollo runterziehen. Davon wäre dann allerdings auch mein Hintermann betroffen. Schräg vor mir hat ein Herr ein Hefeweizen bekommen, das nun scheinbar sich selbst und der Schwerkraft überlassen bleibt. Es rutscht auf dem Tischchen und ich muss die Augen zukneifen und nur ab und zu durch die Lider schielen, wie früher bei dem Film mit dem Flugzeug, wo einer den Propeller wieder anwirft und ich weiß, dass er dabei verletzt wird. Die Dame hat jetzt Stöpsel in den Ohren bewegt die Füße, Arme und Oberkörper und flüstert einzelne Textzeilen mit. Dann steht sie auf und ich gebe mich der Vorstellung hin, sie würde bei 160 km/h einfach aussteigen. Was sie natürlich nicht tut. Stattdessen kommt sie wieder…

Mal was anderes

Es gibt ein Spiel, das „Bahnsteigballett“ heißt und das geht so: Zuerst wartet man, bis sich alle Reisenden eines möglichst ausgebuchten Zuges entsprechend des Wagenreihungsplanes auf dem richtigen Bahnsteig aufgestellt haben. Dann verzögert man die Bereitstellung des Zuges. Dies sagt man noch über Lautsprecher an. Grund sei eine verspätete Bereitstellung. Warum soll man lügen? Das käme bei uns Reisenden nicht gut an. Vorher lässt man noch einen Zug mit gleichem Zielort ausfallen und gibt als Grund an, dass der Zug ausgefallen ist. Jetzt sind ungefähr genauso viele Fahrgäste mit Sitzplatzreservierung auf dem Bahnsteig, wie Reisende ohne Platzkarte. Damit sich alles auch schön mischt, dreht man noch die Wagenreihung um und lässt erstmal einen nachfolgenden Zug einfahren - alles ohne Ansage, nur über Anzeigetafel. Dann stellt man den Zug auf einem ganz anderen Gleis bereit, vorzugsweise wechsele man von unten nach oben, wenn es geht. Aber hier setzt die Bahnhofsfahrordnung manchmal eng…

Die Welt ist schlecht

Im Bekanntenkreis macht gerade der Facebook-Skandal die Runde. Man erzählt sich, Zuckerberg (sie sagen: Sackerböörg), also der, der dieses Facebook da gegründet habe, ebenjener Zuckerberg sei auf der Flucht. Ach?! Ich denke, er ist bei der versuchten Durchreise durch Deutschland festgenommen worden?? Ah! Haben sie ihn also endlich! Ja. Und jetzt soll er an Spanien ausgeliefert werden. Echt? Das geschieht ihm recht. Es ist ja jetzt rausgekommen, dass der wie die Stasi alle Leute abgehört hat. Wenn du zum Beispiel im Kino warst und dein Handy dabei hattest, dann konnte er das sehen! Ist das wahr? Ich kann auch manchmal sehen, dass Leute im Kino waren. Ich selbst gehe ja schon lange nicht mehr ins Kino. Es sind mir viel zu viele Leute da, die mich sehen könnten. Und die erzählen es dann vielleicht weiter und dann wissen, alle, welchen Film ich geguckt habe. Da gucke ich lieber Filme auf Netflix. Oder YouTube.

Ja, es ist eben nur ein schmaler Grat zwischen notwendiger Priorisierung und …

An uns glauben

Jetzt ist die Waschmaschine kaputt gegangen. Zum Glück nicht meine, aber irgend ein armer Kerl steht jetzt ohne funktionierende Waschmaschine da. Ich kann nur mit den Schultern zucken, denn ich bin ja kein Waschmaschinist. Mit fremden Waschmaschinen kann man sich ja auch überhaupt nicht mehr auskennen. Ich weiß nicht, auf welche Knöpfe man drücken muss und wohin man das Drehrad drehen soll, weiß ich schon gar nicht. Ich weiß auch nicht, wozu die verschiedenen Temperaturen dienen sollen. Ich will meine Wäsche schließlich nicht weich kochen - oder sollte ich das? Bei meiner Waschmaschine habe ich nach längerem Probieren herausgefunden, welche Drehradstellung am wenigsten zeitaufwändig ist. Jetzt ist die Wäsche nach 15 Minuten durch. Eigentlich ist sie sogar schon schrankfertig, weil ich sie trocken herausnehmen kann, wenn ich den Wasserhahn nicht aufdrehe. Aber das sind alles Tricks, die man erst nach mindestens einem halben Leben draufhat. Warum sollte ich sie hier für lau heraus posa…

Die Erben

Es gibt viele Gefahren da draußen, wenn man sich denn einmal hinaus wagt. Es kann zum Beispiel passieren, dass einem ein Weltraumlabor auf den Kopf fällt. Erst rast es seit Jahren unkontrolliert im Orbit herum und plötzlich fällt es - zack! - auf die Erde herunter. Man hat gar nichts davon gehört, ob die Chinesen nun darüber traurig sind. Immerhin war es ihr Weltraumlabor und es hat bestimmt eine Menge Arbeit gekostet, es zusammenzuschrauben und es dann in die Umlaufbahn zu schießen. Aber sie hätten es natürlich wissen müssen und vielleicht haben sie ja auch von Anfang an damit gerechnet: Alles, was man in die Luft wirft, fällt früher oder später auch wieder herunter. Wie haben sie es eigentlich gemacht, dass bestimmte Sachen nicht wieder heruntergefallen sind? Voyager 1 und 2 zum Beispiel. Die fliegen einfach immer weiter. Aber wer weiß, wie lange noch. Vielleicht kommen sie in ein paar tausend Jahren auch wieder zurück. Dann finden die Menschen, wenn es denn noch welche gibt, die g…

Storyteller

Wenn Menschen in der Öffentlichkeit ihr Telefon vors Gesicht halten und mehr oder weniger leise hineinsprechen, nehmen sie dann eine Sprachnachricht auf oder nutzen sie die Diktierfunktion? Ich glaube, es ist meistens eine Sprachnachricht, denn zum diktieren müssten sie den Text kontrollieren und gelegentlich korrigieren. Das beobachte ich aber fast nie. Ich selbst habe noch nie eine Sprachnachricht verfasst. Es wäre aber nur konsequent, auch diese Möglichkeit zu nutzen, denn längst haben die Textnachrichten das Telefonat ersetzt. Ich rufe eigentlich nur noch an, wenn das Texten zu kompliziert wird, weil man sich in gegenseitigen Missverständnissen heillos verstrickt. Die Sprachnachricht würde hier viel besser ins Programm passen. Ich bin dafür, dass sich die Sprachnachricht gegen die Textnachricht behauptet, denn die Unfallgefahr durch den aufs Display gerichteten Blick würde deutlich sinken.

Aber wer weiß schon, welche Entwicklung sich am Ende durchsetzt? Und wer beeinflusst es? U…

Das Schwarze Loch und die Kuh

Es ist doch schade, dass das Geschichten erzählen so aus der Mode gekommen ist. Wenn es doch noch mal einer macht, kommt gleich Petra Gerster und fragt, ob es sich denn auch wirklich so zugetragen hat. Fake-News und alternative Fakten können nur in einer Nachrichten-Welt entstehen, in der eben nur Fakten zählen. In einer Geschichte geht es aber überhaupt nicht um Fakten. Eine Geschichte ist so etwas wie eine lebendige Flaschenpost. Sie kann aus einer anderen Zeit zu uns sprechen und wir werden ihre Botschaft nicht verstehen, wenn wir uns damit begnügen, die Fakten zu überprüfen. Nachrichten sind von Natur aus kurzlebig. Keiner käme auf die Idee, sich die Nachrichten von gestern anzuschauen, wenn Nachrichten von heute verfügbar sind. Das Verfallsdatum von Nachrichten richtet sich nach ihrer Übermittlungsgeschwindigkeit. Spätestens seit der Erfindung der drahtlosen Telegrafie veralten Nachrichten binnen Stunden.

Geschichten dagegen altern nicht. Sofern sie eine Botschaft enthalten, di…

Hawking, Susskind, mein Vater und ich

Stephen Hawking hat sich sein Leben lang mit Schwarzen Löchern beschäftigt. Ich habe ein etwa zwanzigminütiges Fachgespräch mit meinem Vater geführt, in dem sich ein für mich völlig hinreichender Erkenntnisgewinn einstellte. Es ist ja nun mal scheinbar so, dass so ein Schwarzes Loch alle Materie um sich herum wie ein Staubsauger aufsaugt. Auch unsere Milchstraße hat so ein Loch und die Frage liegt nahe, was denn mit der ganzen Materie passiert, die darin verschwindet. Hawking selbst ist mit der Beantwortung dieser Frage auch nicht ganz zu Ende gekommen. Man kann sich auch vorstellen, dass am Ende, wenn die Löcher alle Galaxien aufgefressen haben, nur noch die Löcher übrig bleiben, die sich dann solange gegenseitig auffressen, bis ein Loch alleine übrig bleibt. Das ist nun aber paradox, denn ein solches Loch hätte in seiner Gier sein eigenes Loch-Sein quasi ad absurdum geführt. Denn ein Loch ist ja wohl ohne das, worin es ein Loch ist, einfach nur gar nichts mehr. Ein Loch in meiner H…