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Themenwechsel

Ich bin gespannt. Ich bin gespannt wie ein Flitzbogen, wo und wann meine Hauslatschen wieder auftauchen werden. Ich vermisse sie seit mehr als einer Woche. Die ganze Sache ist einigermaßen mysteriös, denn sie können sich in meiner in meiner Wohnung eigentlich nirgendwo verstecken. Suchen hat aber natürlich überhaupt keinen Zweck. Durch Suchen verschwinden Dinge nur noch gründlicher. Man muss sie ignorieren, nicht mehr an sie denken, so tun, als hätte man sie nie besessen. Dann springen sie einem auf einmal ins Gesicht. Es ist also auch schon grundfalsch, hier darüber zu schreiben. Am besten wechsle ich schnell das Thema. Das ist aber gerade leider ganz schlecht. Durch Thema-wechseln bin ich ja nur auf die Latschen gekommen. Das Thema lautete nämlich eigentlich: Steuererklärung. Keine große Sache, macht alles der Computer, ich muss mich nur mal hinsetzen. Höchstens zwanzig Minuten. Jetzt schien aber gerade die Sonne so schön. Also: Themenwechsel und raus in die Sonne.

Am Wochenende war ich übrigens in Potsdam. Potsdam ist wirklich eine schöne Stadt. Ich habe dort den Gitarrenlehrer besucht. Der Gitarrenlehrer hat nun die Angewohnheit, Kurznachrichten von seinem Handy aus auf Festnetznummern zu verschicken. Das klappt gut! Neuerdings schlafe ich gern in meinem Sessel ein und verbringe dort die Vormitternachtsstunden. Im Traum klingelte mein Telefon. Es ist ein Wählscheibenapparat mit einer echten Glocke. Nach dem Aufwachen sah ich auf dem verbundenen Mobilteil, dass es der Anruf irgendwie aus meinem Traum heraus ins nächste Level geschafft hatte. Die Nummer lautete 01930100 oder so ähnlich. Von so einer Nummer möchte man nicht angerufen werden, schon gar nicht um 23:00 Uhr! Am anderen Morgen um 7:00 rief die Nummer wieder an. Ich befragte darauf hin den Algorithmus. Er antwortete, dass ich diesen Anruf bekäme, weil eine Kurznachricht auf meinem Festnetzanschluss eingegangen sei. Ich würde jetzt solange von dieser Nummer aus angerufen, bis ich mir die Nachricht in Gänze und mit Wiederholungen angehört hätte. Der Gitarrenlehrer sagte dazu, er bleibe lieber beim Analogen. Das Digitale liege ihm fern.

Die Sonne ist inzwischen weg. Ich könnte mich jetzt der Steuererklärung zuwenden, muss aber erst noch diesen Text zu Ende schreiben. Was soll ich sagen? Die Spannung hat kein bisschen nachgelassen. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass die Latschen durch Quantenfluktuation (!) verschwunden sein könnten. Dann ist es unwahrscheinlich, dass sie hier wieder auftauchen. Es könnte eher sein, dass ich ihnen auf diesem Weg nachfolge und wir uns in einer Parallelwelt wieder begegnen. Vielleicht klingelt aber auch im Traum mein Telefon und am nächsten Morgen sitzt auf dem vierten Barhocker, auf dem jetzt mein Mobilteil steht - der Gitarrenlehrer. Mit Gitarre. Und mit meinen Latschen.

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