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Karnevalszeit

Vielleicht sollte ich jetzt doch noch mal die Neujahrsansprache der geschäftsführenden Bundeskanzlerin gucken. Bei den obligatorischen Verwandtenanrufen zum Neuen Jahr kam die Sprache nämlich auch auf das Fernsehprogramm. Es hätte sehr gutes Kabarett gegeben. Loriot zum Beispiel. Aber dann wäre da auch noch eine Frau gewesen, die man schon öfter im Fernsehen gesehen hätte. Der Name sei gerade nicht präsent. Mit unbewegtem Gesicht und immer ganz ernst spreche sie, aber was sie sage, sei zum Totlachen. Wirklich zum Schießen. Na, vielleicht interpretiere ich das auch falsch. Wie dem auch sei, uns stehen lustige Wochen bevor. Es ist ja schließlich Karnevalszeit. Alles in allem wird sich aber zeigen, dass wir uns einfach zu viel vorgenommen haben. Wir verstehen die Welt einfach nicht mehr richtig, die wir selbst geschaffen haben. Also - nicht ich, ich habe damit nichts zu tun. Aber irgendwer muss es ja gewesen sein. 

Ich weiß ja auch nicht, wie man einen Flughafen baut. Ich habe nicht mal einen aus Legosteinen gemacht. Der Unterschied war nur, ich wusste immer, dass ich das nicht kann. Nach und nach wird sich jetzt herausstellen, dass es gar keiner so richtig kann. Jedenfalls nicht alles, was nun mal dazugehört. Es gibt niemanden mehr, der den Überblick hat. „Herr und Meister, hör mich rufen!“ Aber es gibt gar keinen Meister, der kommen könnte. Das ist alles gar nicht schlimm für uns. Für uns wird es schlimm, wenn keiner mehr weiß, wie regieren geht. Vielleicht wissen es ein paar von den alten Hasen noch, aber auf die will keiner mehr so richtig hören oder man will sie jagen. Es ist doch recht schade, dass wir auch das Regieren so aus der Hand gegeben haben. Es ist nur so schön bequem, sich vorzustellen, dass es Leute gibt, die etwas davon verstehen und die das schon machen werden. 

Nachdem ich den letzten Schokoladenweihnachtsmann aufgegessen habe, sehe ich nun etwas klarer. Mein Vater hatte an einer Weihnachtsveranstaltung teilgenommen, zu der wesentlich mehr Teilnehmer erwartet worden waren, als letztlich erschienen sind. So musste er als einer der Wenigen viele Schokoladenweihnachtsmänner mit nach Hause nehmen. Mit meiner Hilfe haben wir nun also auch die letztjährige Weihnachtsmannschwemme in den Griff bekommen. Was die anderen Probleme betrifft: Es wird darauf hinauslaufen, dass die biologischen Menschen und das elektronische Internet zu einer neuen Lebensform verschmelzen. Dann läuft es wieder. Ich habe das gerade im Fernsehen gesehen. Oder war es Kabarett? Schließlich ist Karnevalszeit. 

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