Chronik einer Woche - III

Zweite Rückblende: der Nachmittag
Ich ging zum Bus und fuhr zur Arbeit. Ich besuchte einen Mann und eine Frau, die in ihrem Briefkasten einen Brief gefunden hatten, der offenbar nicht an sie adressiert war. Ich konnte helfen, identifizierte den richtigen Adressaten und wir übernahmen die Zustellung stellvertretend für den Postboten, der seine Brille nicht aufgehabt hatte. Dann suchte mich eine junge Frau im Büro auf und entschuldigte sich eine Weile dafür, dass sie fünf Minuten später als verabredet erschienen sei. Dann gähnten wir mehrmals spiegelneuronenbedingt und versuchten herauszufinden, wer angefangen hatte.  Ehe wir’s uns versahen, war unsere gemeinsame Zeit schon wieder um. Ich hatte es eilig, denn ich freute mich auf meinen neuen Bar-Tisch, an dem ich einen grandiosen Feierabend verbringen wollte. Ich lief zum Bus, fuhr nach Hause und verzehrte die erste Malzeit des Tages an dem neuen Möbelstück. Danach hörte ich mit Hilfe meines neuen Radios alte Schallplatten, Musik eines marktführenden Streaming-Dienstes und schließlich ein paar Geschichten von Marc-Uwe Kling und seinem Känguru. Ich verbrachte viele Stunden auf ein und demselben Barhocker bis mir schließlich der Rücken weh tat. 

Ich beschloss schlafen zu gehen. Als ich mein Schlafzimmer betrat, war darin alles blau und flackerte. Ich zog das Rollo hoch und - tadaa: genau unter meinem Fenster spielte sich der Aufmarsch von vier Krankenwagen, drei Feuerwehren und mehreren Polizeiautos ab. Duzende Menschen rannten aufgeregt hin und her. Im Haus gegenüber waren die Nachbarn herausgekommen und wohnten dem Schauspiel bei. Aus meiner Position lies sich der Grund für das Spektakel nicht ermitteln. Also ging ich zurück an die Bar, verbrachte noch weitere zwei Stunden mit Marc Uwe und dem Känguru und setzte mich jeweils eine halbe Stunde lang auf einen anderen der vier Barhocker. Dann war der Spuk vorbei, alles war wieder ruhig und auch ich konnte ruhen. 

Am Morgen lese ich eine Meldung über einen Feuerwehreinsatz in meiner Straße. Auf einer Terrasse des Nachbarhauses war ein Feuer ausgebrochen, hatte auf die dazugehörige Wohnung übergegriffen und über ihr liegende Balkone in Mitleidenschaft gezogen. Zwei Kinder und ein Erwachsener mussten mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. 

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