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Posts

Es werden Posts vom Januar, 2018 angezeigt.

Beutel

Ich bin gespannt, wie sich das mit den Ladegeräten weiterentwickelt. Ich habe gerade eins gesucht, dass ich verräumt hatte. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele von diesen Dingern in der Wohnung verteilt sind. Wenn ich dran denke, mache ich bei Inbetriebnahme eines neuen Gerätes ein Pflaster mit Beschriftung an das Kabel. Oft denke ich aber nicht daran. Manchmal denke ich auch, ich könnte es später noch machen. Das ist aber ein Irrtum. Später hat es sich in einem der Ladegerätenester verkrochen, die es zu Dutzenden in meiner Wohnung gibt und wo sie sich miteinander zu unentwirrbaren Knäuels verschlingen und höchstwahrscheinlich neue Ladegeräte zeugen. Ein ganz Bestimmtes zu finden ist dann ganz und gar unmöglich. Es gab mal diese Horrormeldungen in der Zeitung, wie Hunderte von Weberknechten ineinander verkrabbelt in einer dunklen Ecke der Wohnung auftauchen. Vor so was habe ich Angst. Erschrocken muss ich nun feststellen, dass sich statt der Weberknechte die Ladekabel bei mir angesi…

Meine Freundin

Es ist immer wieder ein Wunder! Am Ende werden hier dreihundertfünfzig oder ein paar mehr Worte stehen, obwohl es im Moment überhaupt nicht danach aussieht. Aber das ist am Anfang immer so. Am Ende werde ich wieder wissen, was ich geschrieben habe und ich werde staunen. Im Moment staune ich nicht. Ich stöhne vielleicht, aber das ist keineswegs erstaunlich. Eine Leserin oder ein Leser merkt davon freilich nichts. Ich dachte erst, dass ich über die Traurigkeit schreiben würde. Inzwischen glaube ich das nicht mehr. Obwohl ich sie sehr gern habe, meine Traurigkeit. Sie ist eine gute Freundin, auf die ich mich verlassen kann. Sie kündigt ihr Kommen nicht vorher an, dafür kommt sie mehrmals am Tag. Einfach so. Sie drängt sich gar nicht auf. Sie steht eher ein bisschen verschämt irgendwo herum. Wenn ich sie wahrnehme, nehme ich sie meistens auch in den Arm und dann bleibt sie ein paar Stunden da. Sie ist übrigens sehr schön und ich bin gern mit ihr zusammen. Aber ich würde es nicht aushalte…

Fantasie

Es gibt noch einen kleinen Trick bei der Benutzung des Postmelders: Wenn ich nach Hause komme und keine Post im Briefkasten ist, bewege ich die Briefkastenklappe. Auf und zu. Wenn ich dann in die Wohnung komme, blinkt der Postmelder und ich denke: Oh, ich habe ja Post. Dann gehe ich runter, schaue nach und natürlich ist keine Post drin. Das wirft zwar Fragen auf, denn selbstverständlich habe ich bis dahin schon wieder vergessen, dass ich es ja selbst war, der keine Post eingeworfen hat. Letztlich freut sich dann aber mein Schrittzähler. Ich habe nämlich ein neues Fitness-Armband, das mich regelmäßig abends noch mal auf Runde geschickt hat. Ich fand das lästig. Mit dem Briefkastentrick - zwei, drei mal wiederholt - entfällt die abendliche Tour. Man mag solche interaktiven Schrittzähler lästig finden - Betriebsärzte sind aber lästiger. Ich muss dort alle paar Jahre vorstellig werden. Jedesmal war es ein neuer Arzt. Allen gemeinsam war aber bisher, dass ihnen mein Blutdruck nicht gefäll…

Schon am morgen

Ich stehe ja auf Gadgets; auf nutzlosen Krimskrams. Nur funktionieren muss es. Mein Spy-Headset war in dieser Hinsicht eine Enttäuschung. Resignation ergriff mich und ich habe mir lange nichts mehr gekauft, von ein paar Uhren abgesehen, die am Morgen wussten, ob ich nachts gut geschlafen hatte. Jetzt habe ich seit ein paar Tagen einen Postmelder. Er besteht aus einem linealartigen Funksender und einem schönen runden Empfänger mit einem Leuchtknopf in Gestalt eines Briefkuverts. Den Empfänger klebt man von innen an die Briefkastenklappe. Wird die Klappe geöffnet und wieder geschlossen geht ein Signal an den Empfänger und er blinkt aufgeregt. Wenn ich nun nach Hause komme, schaue ich in den Briefkasten. Meistens ist er leer. Danach komme ich in die Wohnung und sehe, dass der Postmelder nicht blinkt. Dann weiß ich, dass ich keine Post habe und kann in aller Ruhe an der Bar Platz nehmen. Jetzt suche ich noch nach einer Lösung für meine gelegentlichen Abwesenheiten von zu Hause. Ich denke…

Chronik einer Woche - VI

Fünfte Rückblende: Eine Woche vor dem Feuerwehreinsatz Ich traf mich mit einem Mann in der Stadt. Der Mann wollte einen Badschrank kaufen und ich sollte ihm dabei helfen. Das ist mein Beruf. Wir liefen also vom Bus zum Möbelhaus. Im Möbelhaus liefen wir auf dem vorgegebenen Zickzackpfad zur Badabteilung. Bei den Küchenmöbeln vibrierte mein  Schrittzähler. Ich hatte mein Ziel erreicht. Der Mann noch nicht, ging allein weiter und fand keinen passenden Badschrank. Ich jedoch sah einen Hochtisch mit Barhockern. Mir fiel ein, dass ich ja bis auf Couchtisch und Küchentisch gar keinen richtigen Tisch besitze. Ich fragte mich, wie der Tisch, wenn ich ihn kaufte, zu mir nach Hause käme. Ich müsste ihn liefern lassen und zum Liefertermin zu Hause sein. Dann könnte ich auch gleich einen im Versandhandel bestellen. 
Ich fuhr nach Hause, googelte Hochtisch und bestellte einen quadratischen Hochtisch mit vier Barhockern im Set. Der Lieferdienst schickte vier Tage später (dazwischen lagen Sonntag un…

Chronik einer Woche - V

Vierte Rückblende: Zwei Tage vor dem Feuerwehreinsatz Ich bestellte einen quadratischen Hochtisch mit vier Barhockern im Set. Der Lieferdienst schickte vier Tage später (dazwischen lagen Sonntag und ein Feiertag) eine E-Mail, dass meine Bestellung ausgeliefert werde. Da ich schon über Erfahrungen mit dem Lieferanten verfügte, wählte ich die Option „an Wunschnachbarn ausliefern“. Sicherheitshalber informierte ich meine Wunschnachbarn, dass sie die Lieferung wegen des zu erwartenden Umfangs nur vor der Wohnungstür abstellen lassen sollten. Als ich mittags nach Hause kam, standen sechs große Pakete vor meiner Tür. Ich schleppte alles in die Wohnung und begann, das größte Paket auszupacken. Es enthielt die Tischplatte des Bar-Tischs, die Querverstrebungen, Schrauben, Zapfen und Unterlegscheiben. Die Kleinteile lagen lose herum. Ich sammelte alles ein, hob die Tischplatte heraus und - KAPUUUUTTT ! Die Oberfläche der Tischplatte hatte eine kleinfingernagelgroße Schadstelle. Offenbar war sie…

Chronik einer Woche - IV

Dritte Rückblende: der Vormittag Ich rief beim Kundendienst an. Auf der Website hieß es, bei anerkanntem Regress liefere man neu und ich bekäme einen Rücksendeaufkleber. Damit sollte ich das Paket einfach im Paketshop abgeben. Mein Paket war 90x90 Zentimeter groß und wog ungefähr 10 Kilo. Paketshop war definitiv keine Option. Der Mann fragte mich, ob wir über einen Preisnachlass reden könnten. Was für ein emphatischer Gesprächspartner. Genau darüber wollte ich reden. Der Mann schlug 10 Prozent vor. Ich schluckte und verlangte dreißig. Dann sagte er, 25 sei die Schmerzgrenze - aber alles über 10 Prozent übersteige seine Gehaltsstufe. Offenbar zahlen die Kundendienstmitarbeiter dieses Möbelhändlers Preisnachlässe selbst. Hoffentlich finden sie noch einen, der so viel bezahlen kann, wie ich haben will. Der Mann sagte, er glaube schon, denn man wolle mich als Kunden behalten. Nach dem Gespräch hatte ich gute Laune und beschloss, das Möbelstück zusammenzuschrauben, egal, wieviel Gehalt sie…

Chronik einer Woche - III

Zweite Rückblende: der Nachmittag Ich ging zum Bus und fuhr zur Arbeit. Ich besuchte einen Mann und eine Frau, die in ihrem Briefkasten einen Brief gefunden hatten, der offenbar nicht an sie adressiert war. Ich konnte helfen, identifizierte den richtigen Adressaten und wir übernahmen die Zustellung stellvertretend für den Postboten, der seine Brille nicht aufgehabt hatte. Dann suchte mich eine junge Frau im Büro auf und entschuldigte sich eine Weile dafür, dass sie fünf Minuten später als verabredet erschienen sei. Dann gähnten wir mehrmals spiegelneuronenbedingt und versuchten herauszufinden, wer angefangen hatte.  Ehe wir’s uns versahen, war unsere gemeinsame Zeit schon wieder um. Ich hatte es eilig, denn ich freute mich auf meinen neuen Bar-Tisch, an dem ich einen grandiosen Feierabend verbringen wollte. Ich lief zum Bus, fuhr nach Hause und verzehrte die erste Malzeit des Tages an dem neuen Möbelstück. Danach hörte ich mit Hilfe meines neuen Radios alte Schallplatten, Musik eines …

Chronik einer Woche - II

Erste Rückblende: der Abend zuvor Ich beschloss schlafen zu gehen. Als ich mein Schlafzimmer betrat, war darin alles blau und flackerte. Ich zog das Rollo hoch und - tadaa: genau unter meinem Fenster spielte sich der Aufmarsch von vier Krankenwagen, drei Feuerwehren und mehreren Polizeiautos ab. Duzende Menschen rannten aufgeregt hin und her. Im Haus gegenüber waren die Nachbarn herausgekommen und wohnten dem Schauspiel bei. Aus meiner Position lies sich der Grund für das Spektakel nicht ermitteln. Also ging ich zurück an die Bar, verbrachte noch weitere zwei Stunden mit Marc-Uwe und dem Känguru und setzte mich jeweils eine halbe Stunde lang auf einen anderen der vier Barhocker. Dann war der Spuk vorbei, alles war wieder ruhig und auch ich konnte ruhen. 
Am Morgen lese ich eine Meldung über einen Feuerwehreinsatz in meiner Straße. Auf einer Terrasse des Nachbarhauses war ein Feuer ausgebrochen, hatte auf die dazugehörige Wohnung übergegriffen und über ihr liegende Balkone in Mitleiden…

Chronik einer Woche - I

Jetzt: Feuerwehreinsatz Am Morgen lese ich eine Meldung über einen Feuerwehreinsatz in meiner Straße. Auf einer Terrasse des Nachbarhauses war ein Feuer ausgebrochen, hatte auf die dazugehörige Wohnung übergegriffen und über ihr liegende Balkone in Mitleidenschaft gezogen. Zwei Kinder und ein Erwachsener mussten mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. 

Der Tod und die Mutter

Das Leben ist nicht einfach. Es ist kompliziert. Ein Beispiel: Ich besitze einen Motorroller. Den Winter über stand er in der Garage.  Die Batterie hatte ich ausgebaut und in regelmäßigen Abständen ans  Ladegerät gehängt. Nun ist der Frühling da. Da wird es Zeit, den kleinen  Roller aus dem Winterschlaf zu wecken. Zuerst muss man die Haftpflichtversicherung erneuern. Das ist leicht. Dann baute ich die Batterie wieder ein und drehte den Zündschlüssel auf "Ignition". Es geschah nichts. In früheren Jahren wachte mein Roller jetzt auf und begann zu klackern und zu blinken. Diesmal geschah einfach nichts. Ich brachte die Batterie in die Werkstatt und bat darum, sie zu prüfen. Das dauerte einen Tag. Am nächsten Tag fuhr ich wieder hin. An der Kasse wollten sie mir nichts sagen. Ich sollte direkt zum Operateur in die Werkstatt. Ein Mann im roten Overall guckte ernst und brachte mich in einen kleinen Raum. Dort stand sie. Nackt auf einem Tisch. An Drähten hängend. Es gäbe keine Hof…

Karnevalszeit

Vielleicht sollte ich jetzt doch noch mal die Neujahrsansprache der geschäftsführenden Bundeskanzlerin gucken. Bei den obligatorischen Verwandtenanrufen zum Neuen Jahr kam die Sprache nämlich auch auf das Fernsehprogramm. Es hätte sehr gutes Kabarett gegeben. Loriot zum Beispiel. Aber dann wäre da auch noch eine Frau gewesen, die man schon öfter im Fernsehen gesehen hätte. Der Name sei gerade nicht präsent. Mit unbewegtem Gesicht und immer ganz ernst spreche sie, aber was sie sage, sei zum Totlachen. Wirklich zum Schießen. Na, vielleicht interpretiere ich das auch falsch. Wie dem auch sei, uns stehen lustige Wochen bevor. Es ist ja schließlich Karnevalszeit. Alles in allem wird sich aber zeigen, dass wir uns einfach zu viel vorgenommen haben. Wir verstehen die Welt einfach nicht mehr richtig, die wir selbst geschaffen haben. Also - nicht ich, ich habe damit nichts zu tun. Aber irgendwer muss es ja gewesen sein. 
Ich weiß ja auch nicht, wie man einen Flughafen baut. Ich habe nicht mal e…

Wie die Zeit vergeht

Eine der häufigsten Feststellungen im vergangenen Jahr war die, dass das Jahr diesmal ganz besonders schnell vergangen sei. Wenn man sich überlegt, wie es wohl dazu gekommen ist, kann es passieren, dass schon wieder ein ganzer Tag vergangen ist, ehe man eine Antwort gefunden hat. Mit dem Jahr ist es eben wie mit allem Anderen auch: Es besteht aus kleineren Teilen seiner selbst, die sich wiederum in immer kleinere Teile ihrer selbst zerlegen lassen. Wenn man das alles so vor sich liegen sieht, denkt man, es sei ganz schön viel. Das ist es aber nicht, es ist eben nur ein Jahr. Wenn einem das dann auf den letzten Metern desselben bewusst wird, behauptet man eben, es sei so schnell vergangen. Dabei hat man einfach nur am Anfang herumgetrödelt. Ein ganz alter Hut. Eigentlich wissen es alle, aber es passiert immer wieder. Wenn man sich aber statt des über einen hereinbrechenden Endes vorstellt, dass das Jahr einfach immer weitergeht, ist man schon aus dem Schneider. Aber so sind wir eben n…

Klara Johanna Hallig

Diesmal wollte ich den Jahreswechsel ganz abgeschieden verbringen: auf meiner sturmumtosten Hallig oben im Norden. Allein sein wollte ich nicht, aber ich hatte auch keine Lust auf Party. Also nur wir drei, Klara, Johanna und ich. Ich würde für uns kochen, nichts Besonderes, irgendwas, was halt so da ist. Wie wär’s mit Fisch? Dann warten wir auf Mitternacht. In der Zivilisation hat es überhaupt keinen Zweck, vor Mitternacht schlafen zu gehen, weil man ja sowieso wieder wachgemacht wird. Auf der Hallig ist das ganz anders. Hier bleibt alles ruhig und nur die Sturmflut könnte einem gefährlich werden. So kann man viel ruhiger auf Mitternacht warten, ganz ohne Angst. Schlag zwölf nimmt Klara ihre Gitarre und dann singen wir, ganz laut und schön. „Emmylou“ und die ganzen Sachen. Zwischendrin loben wir uns. Weil wir so schön singen. Dann singen wir weiter und dann wird wieder ausgiebig gelobt. So geht es die ganze Nacht, bis endlich die Sonne aufgeht.

Ich werde wach und bin nicht auf meine…