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Nur eins ist geblieben

Die Lieferdienste haben es auch nicht leicht. Erpressungen, Drohungen und nicht zuletzt die Kunden! Wenn die ganzen Kunden nicht wären, könnte so ein Lieferdienst ganz in Ruhe seine Arbeit machen. Nur wegen der Kunden entsteht der ganze Stress. Das ist eigentlich in der ganzen Arbeitswelt so. Im Krankenhaus stören die Patienten, bei Versicherungen die Versicherten und im Einzelhandel auch wieder die Kunden. Alle wollen sie irgendwas und dann immer das Falsche zum falschen Zeitpunkt. Das ist der Lauf der Welt und leider nicht zu ändern. Ich habe mir zum Weihnachtsfest ein neues Wohnzimmerradio bestellt. Der Verkäufer wusste, wie er mit Kunden umgehen muss und schickte es sofort los, damit er seine Ruhe hat und sein Geld behalten kann. Dann kam der Lieferdienst ins Spiel. Diesmal war es DPD. Ich bekam eine Email mit einem Knopf zur Paketverfolgung. Die verlinkte Internetseite nannte mir den Tag und sogar die Stunde, wann das Paket zugestellt würde.

Auf der Seite gab es wiederum ein Knopf, der zu einer Karte führte, auf der ein Schlitten mit Nikolaus auf seiner Position relativ zur Lieferadresse zu sehen war. Der Schlitten kam definitiv näher. Glöckchen klingelten. Zur bezeichneten Stunde sah ich wieder nach und diesmal stand dort, die Sendung hätte nicht zugestellt werden können. Hätte ich unten vor der Tür warten müssen, um das Paket entgegenzunehmen? Oder an der Straße, wo es abgeworfen wird, weil der Schlitten nicht jedesmal anhalten kann? Etwas später am Abend war auf der Internetseite zu lesen, der Nikolaus würde noch einmal kommen. Wenn es mir nicht passe, könne ich Optionen auswählen. An Optionen war die Lieferung an einen Paketshop, eine Abwurferlaubnis und die Angabe eines Wunschnachbarn verfügbar.

Ich entschied mich für den Wunschnachbarn oder besser für die Nachbarin, weil mir der Vorname des Mannes nicht einfallen wollte. Ohne Vornamen kam man aber nicht weiter. Am nächsten Morgen verließen der Nachbar und die Nachbarin das Haus. Ich sah schon kommen, dass ich zwar zu Hause sein, aber mein Paket trotzdem nicht kriegen würde, weil ich ja die Zustellung an die Nachbarin verfügt hatte. Letztlich ist aber alles gut gegangen. Der Nachbar war dann doch wieder zu Hause und ich bekam mein neues Radio. Seitdem kann ich leider nicht mehr fernsehen, weil beides gleichzeitig nicht gut funktioniert. Man kann mit Radios heute auch ganz andere Sachen machen als früher. Nur eins ist geblieben: Wenn man auf UKW Stereo hören will, rauscht es.

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