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Der glücklichste Mensch unter der Sonne

Ich hatte einmal mein eigenes Büro. Darin konnte ich machen, was ich wollte: rauchen, aus dem Fenster gucken, telefonieren, Besuch empfangen - kurz, was man eben so alles „arbeiten“ nennt. Eigentlich fehlte nur ein Schild mit meinem Namen drauf. Mein Chef war der Meinung, darum müsste ich mich schon selbst kümmern. Damit war ich nicht einverstanden, denn was ich selbst auf ein Schild schreibe ist die eine Sache, aber was mein Chef darauf schreibt, eine ganz andere. So kam es, dass es kein Schild gab. Aber das war wirklich das Einzige, was fehlte. Sonst hatte ich alles - dachte ich. Dann musste mein Chef aus seinem Büro ausziehen, zog in meines ein und ich hatte keins mehr. Immerhin hatte ich noch einen Musikraum, in dem ich einen Schreibtisch und einen Aktenschrank stellte.

Irgendwann gab ich auch den Musikraum auf. Weshalb ich das tat, weiß ich heute nicht mehr. Aus irgendeinem Grund zog ich es vor, keinen Raum mehr zu haben, für den ich selbst und allein verantwortlich war. Ich bekam die Schlüssel für eine Kunstwerkstatt und konnte jetzt dort arbeiten, wenn die Werkstatt geschlossen war. Zu allen anderen Zeiten gehe ich seitdem dorthin, wo die Menschen gerade sind, mit denen ich arbeite. Erst hielt ich das alles für den langsamen aber stetigen Abstieg meiner Arbeit und ich befürchtete, sie würde in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Seit ein paar Wochen weiß ich es aber besser. Ich bin Hans im Glück! Ich bin auf dem besten Wege, alles zu verlieren, was einen bremst, aufhält und ablenkt. Statt dessen gewinne ich dafür alles, was glücklich macht: Anerkennung, Aufmerksamkeit und Zuneigung. Nun könnte man sagen, darum ginge es doch gar nicht. Es geht doch um die Menschen, für die man zuständig ist und denen man helfen soll. Aber man kann andern eben nur helfen, wenn man selbst einigermaßen glücklich ist.

Mein letzter Verlust in diesem Sinne war das kleine Auto. Aber seit es fort ist, sind auch all die kleinen und großen Kümmernisse verschwunden: Werkstatttermine machen, Reifen wechseln, Auto waschen, Geld zur Seite legen, Stellplatz verteidigen. Besonders das Letztere kostete viel Energie. Jetzt steht irgend ein Auto aus der Nachbarschaft auf dem Platz und hält ihn warm. Ich habe Hinweise aus der Bevölkerung bekommen und den Rat, das nicht zu dulden und etwas dagegen zu unternehmen. Aber ich werde mich hüten! Denn erst wenn alle Steine in den Brunnen gefallen sind, bin ich wirklich der glücklichste Mensch unter der Sonne.

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