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Überleben

Wenn man einem Gedanken, den man selbst schon mal hatte im Fernsehprogramm begegnet, ist das ein erhebendes Gefühl. Neulich habe ich bei Scobel gesehen beziehungsweise gehört, was ich hier schon mehrmals aufgeschrieben habe: Wir fliegen mit mehr als 100.000 Stundenkilometern durch den Weltraum; das Ziel ist ungewiss; die Ressourcen sind begrenzt; wir werden immer mehr und wollen den Anderen am liebsten den Schädel einschlagen; wieso verwenden wir ernsthaft Gedanken darauf, dieses Setting mit hohem Aufwand in Kleinformat zu kopieren? Wieso wollen wir unbedingt hier weg? Wieso verwenden wir nicht dieselbe Energie auf Erhaltung dieses Planeten? Schön! Ich habe mich sehr gefreut, dass das mal im Fernsehen gefragt wurde. Freilich gab es keine Antwort auf die Frage. Das macht aber nichts. Entscheidend ist, dass die Fragen gestellt werden. Einerseits möchte ich antworten, dass es nun mal nicht möglich ist. Wir können hier nicht weg. Aber das haben die Menschen auch gesagt, als sie an den Küsten ihres Kontinents standen und zum Horizont blickten. Sie dachten, dahinter wäre nichts, nur das Verderben. Nur ein paar von ihnen wollten es genauer wissen und haben sich auf die Reise gemacht. Es war dann nochmal ganz anders, als sie es sich gedacht haben, aber es war nicht unmöglich. Darum finde ich die Idee vom Star Treck andererseits wieder gar nicht abwegig. Der Mensch muss nach den Sternen greifen. Er kann nicht einfach bleiben, wo er ist. Er hat nun mal einen eingebauten Schleudersitz.
Der Norweger Roald Amundsen wollte zu Anfang des 20. Jahrhunderts eigentlich als erster Mensch den Nordpol erreichen. Interessant finde ich, dass er dabei nicht auf Technik, sondern auf die natürlichen Ressourcen setzte: Er wollte sich im Eis einschließen lassen und dann mit dem Eis zum Nordpol treiben. Dann haben aber schon andere den Nordpol entdeckt, also wandte sich Amundsen dem noch unerreichten Südpol zu. Wieder verzichtete er weitgehend auf Technik und setzte auf Hundeschlitten. Der Brite Robert Falcon Scott hatte zur selben Zeit dasselbe Ziel. Er wollte das Rennen mit Motorschlitten gewinnen. Der Norweger erreichte den Nordpol als erster.
Den Wettlauf im Weltraum werden die gewinnen, die im Einklang mit der Natur vorgehen. Raketentriebwerke werden auf dem Weg zu neuen Welten nicht viel weiter kommen, als die Motorschlitten auf dem Weg zum Südpol. Ich habe keine Ahnung, wie eine Reise mit natürlichen Ressourcen aussehen könnte. Vielleicht ist die Antwort ja doch dieser Felsklumpen mit Gashülle, auf dem wir um unseren Heimatstern jagen. Um zu gewinnen müssen wir nur eins schaffen: Überleben.

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