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Gar nicht so schlecht

Ich bin leider sehr dumm. Ich sehne mich seit mehr als einem Jahrzehnt nach dem Ende der leidigen Erwerbsarbeit. Manchmal habe ich dann aber einen klaren Moment oder ich sehe was dazu im Fernsehen. Dann weiß ich es wieder: Das Leidige ist nicht die Arbeit; das Leidige ist der Alltag. Und den Alltag wird man nun mal nicht los. Ich könnte in einem Schloss wohnen, in der Lage, jeden Tag nach Lust und Laune zu verbringen - ich würde über ein Entkommen aus dieser Tretmühle nachsinnen. So bin ich nun mal programmiert. Nicht zu ändern. Das Ende der Erwerbsarbeit wird kommen, früher als gedacht und man kann dabei eigentlich nur verlieren. Man verliert die Aufgabe, über die man sich lange Zeit definiert hat. Es ist egal, ob man nun über die Aufgabe schimpft und klagt, ob man sie loswerden will oder sie sehr schätzt. Die Aufgabe ist etwas, das zu einem gehört und auf einmal ist sie weg. Man verliert die Menschen, mit denen man diese Aufgabe geteilt hat. Es ist egal, ob man sie geliebt oder geh…

Ich helfe gern

Ich leide unter einer sehr speziellen Form der Reisekrankheit: Immer wenn ich verreise, entwickle ich am ersten Tag Symptome irgendeiner lebensbedrohlichen Krankheit, die bis zum letzten Reisetag anhalten. Wenn ich mich am nächsten Tag einem Arzt vorstellen will, sind die Symptome verschwunden. Das ist äußerst lästig und es wird nicht besser, sondern schlimmer. Zweifellos werde ich auf diese Art mein Ende finden, wenn ich einmal nicht rechtzeitig von einer Reise zurückkehre. Darum kann ich jeweils nur noch ganz kurz verreisen. Jedenfalls, wenn ich hinterher noch etwas vorhabe. Das war dieses Mal der Fall, denn meine Agentin hatte angerufen. Sie hat von Fenders und meinem Auftritt gehört und ich soll es noch mal machen. Und zwar während der diesjährigen Brandenburger Landpartie im Erdbeerfeld. Das wird dann Fenders erster Open-Air-Gig. Vor solchen Auftritten bin ich auch immer regelmäßig krank. Es ist aber nicht so schlimm wie auf Reisen, weil die Auftritte nicht so lange dauern. Eine…

Abenteuer bestehen

Ich kehre zurück. Zurück aus einer Zauberwelt, in der schlimme Verletzungen durch Handauflegen oder Kühlakkus innerhalb von Sekunden geheilt werden. Zurück in meine Welt mit Terminen und Problemen. Ich bin gespannt, wie schnell sie wieder von mir Besitz ergreifen kann. Vielleicht kann ich ja diesmal auch etwas mitnehmen und die „Probleme“ werden „Abenteuer“, die ich bestehen muss, um das Herz der schönen Prinzessin zu gewinnen. Eine der nächsten Aufgaben könnte es zum Beispiel sein, mein treues Fahrrad aus der Gewalt des bösen Zauberers zu befreien. Wie das gehen soll, weiß man vorher nicht. Abenteuer besteht man nicht, indem man einen Plan macht. Abenteuer besteht man, indem man mit einem mutigen Herzen unerschrocken loszieht. Dann wird man schon sehen. Die jüngste meiner beiden Nichten geruhte, ihren neunten Geburtstag umringt von Einhörnern und ihren Gespielinnen in einem „Spielparadies“ zu zelebrieren. Mehr als einmal mussten sie eine von ihnen aus der Arena zu ihrem Stützpunkt b…

Ohne Soße

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Neulich hatten wir es wieder vom Kochen. Es ging um Spaghetti der Marke „Gut und günstig“, die unter siebzig Cent kosten. Das müsse doch nicht sein, man könnte doch passierte Tomaten nehmen. Könnte man. Man könnte auch die Nudeln aus Hartweizengrieß selbst herstellen. Aber dann hätte man immer noch nicht dieses Spaghettigericht. Ob ich denn Zwiebeln angebraten hätte? Um Gottes Willen! Ja, wenn man alles kaputt machen will, kann man das machen. Aber niemand kann die „Würzende Mischung“ nachmachen oder durch irgendetwas ersetzen, die wahrscheinlich liebevoll irgendwo zusammengefegt wurde und die man in die undefinierbare rote Pampe schüttet, nachdem man sie mit genau derselben Volumeneinheit Wasser vermischt hat.

Es mag für Menschen, die sich mit der Zubereitung ihres Essens viel Mühe geben niederschmetternd sein: aber es schmeckt im Ergebnis nun mal nicht so gut, wie ein Fertiggericht. Das Fertiggericht schmeckt in der Hauptsache nach Salz. Ich habe mal jemanden getroffen, der seine …

Morgengesichter

Mein alter Freund Axel erzählte mir vor kurzem die Geschichte, wie es bei ihm mit den Handys angefangen hatte: Seine Freundin gab ihm ihr altes Telefon, damit die Kinder ihn erreichen könnten. Das wurde früher oft gesagt, wir brauchen das Handy ja, damit man uns erreichen kann. Frauen brauchten es, damit sie Hilfe rufen konnten, falls sie mit dem Auto im dunklen Wald liegen blieben. Ich hatte weder Auto noch Kinder. Niemand versuchte, mich zu erreichen. Ich kaufte mir trotzdem ein Handy. Außerdem einen Vertrag von Viag Interkom. Die mit dem Haus. „Ist das Haus im Display, telefonierst du festnetzgünstig.“ Ich telefonierte gar nicht. Das war noch günstiger. Das Haus war selten im Display, weil das Netz nie da war, wo ich mich aufhielt. Als es mit Smartphones losging, war ich natürlich dabei. Erst Blackberry, dann iPhone. Es ging aber niemals darum, erreichbar zu sein.

Es ging immer darum, dass möglichst alles funktionierte. Das muss man eigentlich ohne Unterlass testen und wenn etwas…

Die liedersaenger Live-CD

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Benutzt, missbraucht, entführt

Die Schafe sind weitergezogen. Offenbar sind Schafe Zugtiere. Darum sagt man ja wohl auch „Schaf-Zucht“. Genau genommen sind sie eine Plage, denn sie lassen sich wie die Heuschrecken in Schwärmen auf begrünten Flächen nieder, fressen dort alles kahl und dann ziehen sie weiter, um auch an ihrem neuen Standort alles kahl zu fressen. Anders als Heuschrecken kann man Schafen aber ganz gut Grenzen setzen, weil sie nicht fliegen können. Ein kleiner Zaun genügt und schon kommen sie nicht weiter. Sie würden verhungern nachdem sie ein ihnen zugeteiltes Stück kahl gefressen haben, wenn der Mensch nicht wäre. Darum müssen sie dem Menschen für immer dankbar sein und ihm ihre Wolle, ihre Milch und ihr Fleisch schenken. Der Mensch benutzt sie darüber hinaus einfach als Rasenmäher. Diese Angewohnheit weitet sich auch auf den Umgang mit anderen Tierarten aus, zum Beispiel Tauben. Vor kurzem wurde ich Zeuge, wie eine Taube zur S-Bahn-Reinigung eingesetzt wurde. Sie lief im Zug umher und pickte Unrat …