Direkt zum Hauptbereich

Posts

Kein Plan

Manchmal möchte ich gern in der Stadt wohnen. Ein bisschen erhöht, vielleicht im 2. Stock über einer schönen Einkaufsstraße. In so einer Erkerwohnung mit Blick nach mehreren Seiten. Besonders in der Weihnachtszeit ist dieser Wunsch sehr stark. Ich würde am Fenster sitzen und auf das bunte Gewimmel blicken. Es müsste natürlich auch in einer Fußgängerzone sein. Idealerweise schneit es noch und die Menschen haben alle bunte Päckchen und Pakete unterm Arm. Stattdessen wohne ich in einem Dorf mit Regionalbahnanschluss und gucke auf eine Landstraße. Das ist auch schön. Zurzeit fahren viele Autos vorbei, die sich Weihnachtsbäume auf das Dach gebunden haben. Ein schöner Brauch. Schnee liegt nicht und es fällt auch keiner, was sich aber zu dieser Jahreszeit schnell ändern kann.

Veränderungen fühlen sich immer dann unangenehm an, wenn man sich gerade eingerichtet hat, wobei einem dann dämmert, dass es so nicht bleiben wird. Dann bekommt man ein bisschen schlechte Laune. Eigentlich wäre es sch…
Letzte Posts

Advent

Leider bin ich in diesem Jahr mit der Adventsdeko ein bisschen in Verzug geraten. Weder bin ich schon dazu gekommen, Fenster und Balkon kunstvoll zu illuminieren, noch habe ich ein nach der Kirchenjahreszeit benanntes Kranzgebinde aufgestellt. Ich hoffe, dass ich das noch nachholen kann. Immerhin habe ich aber einen Türchenkalender geschenkt bekommen und kann nun jeden Tag eins aufmachen. So ein Adventskalender funktionierte übrigens auch mit einfachen kleinen Bildchen, ohne irgendwas besonderes. Es war trotzdem spannend. Ich glaube irgendwann hat meine Mutter mal einen wiederverwendbaren mit lauter beklebten Streichholzschachteln gebastelt, in die sie dann Süßigkeiten hineinsteckte. Ich habe jetzt den digitalen Adventskalender von Türchen.com, bis gestern mit Musikvideos. Am Wochenende besuchte ich meinen Vater und wir öffneten am Frühstückstisch das zehnte Türchen. Vier reizende junge Damen spielten als Streichquartett den Kanon von Pachelbel. Ich setzte ein verklärtes Gesicht auf …

Nur eins ist geblieben

Die Lieferdienste haben es auch nicht leicht. Erpressungen, Drohungen und nicht zuletzt die Kunden! Wenn die ganzen Kunden nicht wären, könnte so ein Lieferdienst ganz in Ruhe seine Arbeit machen. Nur wegen der Kunden entsteht der ganze Stress. Das ist eigentlich in der ganzen Arbeitswelt so. Im Krankenhaus stören die Patienten, bei Versicherungen die Versicherten und im Einzelhandel auch wieder die Kunden. Alle wollen sie irgendwas und dann immer das Falsche zum falschen Zeitpunkt. Das ist der Lauf der Welt und leider nicht zu ändern. Ich habe mir zum Weihnachtsfest ein neues Wohnzimmerradio bestellt. Der Verkäufer wusste, wie er mit Kunden umgehen muss und schickte es sofort los, damit er seine Ruhe hat und sein Geld behalten kann. Dann kam der Lieferdienst ins Spiel. Diesmal war es DPD. Ich bekam eine Email mit einem Knopf zur Paketverfolgung. Die verlinkte Internetseite nannte mir den Tag und sogar die Stunde, wann das Paket zugestellt würde.

Auf der Seite gab es wiederum ein Kn…

Ich glaube

Wir wurden alle von einer Mutter geboren. Jedenfalls, wenn wir einen Bauchnabel haben. Unmittelbar danach haben wir dann die verschiedensten Erfahrungen gemacht und an keine von ihnen können wir uns erinnern. So manche Seele wurde schlimm verletzt und für ihr Leben gezeichnet, viele erlebten Wärme und Geborgenheit. Wir haben aber alle immer wieder erlebt, wie der Kontakt zur lebensnotwendigen Mutter abbrach und wie uns Angst, Verzweiflung und Wut überfluteten. Wenn alles gut ging, dauerte dieses Verlassen-Sein nie lange und die Mama war wieder da mit ihrer Stimme, ihrem Geruch, ihrer Wärme und ihrem Herzschlag. Aber das Gefühl des Verlassen-Werdens bleibt und geht nie mehr weg. Die Reaktion darauf passt aber später nicht mehr zu den Situationen, durch die es ausgelöst wird. Darum ist es so wichtig, dieses Gefühl bei sich selbst genau zu kennen und wahrnehmen zu können. Denn nur dann, kann man es durchschauen und schließlich beherrschen. Dafür braucht man seinen Verstand.

Die materiel…

Es sei denn Liebe

Ich kann nicht mehr genau sagen, wann das anfing, aber irgendwann war ich der Meinung, Gefühle wären nur etwas für Mädchen und auch die würden sie sich nur einbilden. Ich hatte keine. Ich war in der Pubertät (oder zumindest in dem entsprechenden Alter) und ich war Dressur- und Springreiter. Das war ein Mädchensport und ich bekam immer die bockigen Pferde. Wenn ich in die Pfütze fiel, stand ich eben wieder auf, fing mein Pferd ein und stieg wieder auf. Jana sagte mir dann einmal, dass ich immer so cool aussehe, als ob ich niemals Angst hätte. Das hat mir sehr gefallen und ich konnte auch wirklich keine Angst mehr fühlen. Nicht dass ich keine Befürchtungen gehabt hätte, was alles nicht klappen könnte - aber das Gefühl der Angst war weg. Oder besser: ich konnte es nicht wahrnehmen. Genauso war es mit Glück und Trauer, Stolz und Freude, Wärme und Zuneigung und was das Leben sonst noch alles reich machen kann. Ich hatte mir das abgewöhnt und fing lieber an zu rauchen und zu trinken, weil …

Alt wie ein Stein

Die aktuellen Zeitläufte bieten gerade nicht so viel Schreibstoff, will man nicht in das aufgeregt besorgt-mahnende Gemurmel einstimmen. Darum gebe ich mich wieder der Erinnerung hin. Eine, die sich in den letzten Tagen und Wochen vermehrt eingestellt hat, war die, dass ich als Kind gerne alt sein wollte. Wäre eine gute Fee gekommen und hätte mir die ewige Kindheit geschenkt - ich hätte mich in meinem Akkordeonkoffer zusammengerollt und den Deckel zugeklappt. Nein, Kindsein war damals wirklich nichts für mich. Ich wollte lieber erwachsen sein und sehr gerne auch alt. Meine Urgroßmutter war zum Beispiel alt. Sie verbrachte die Vormittage vor einem großen Spiegel und ordnete ihr schütteres Haar. Dann machte sie sich in der Küche zu schaffen und zerkochte Kaninchen, Hühner und ähnliches Hof-Getier zu lutschbarer Konsistenz. Mir gefiel das gut.

Wenn ich mich sehr genau beobachte, kann ich feststellen: ich arbeite zurzeit genau darauf hin. Der einzige Unterschied ist noch, dass kein Enke…

Nichts als Musik

Musik ist eigentlich Bewegung. Bewegung ist Musik, die man (noch) nicht hört. Ohne Bewegung kann man keine Musik machen. Das gilt auch für Musik auf Tonträgern. Bei der Schallplatte bewegt sich noch ganz viel. Wenn man die Abtastnadel vergrößern könnte, würde einem bestimmt schwindelig davon, wie sie in der Rille tanzt. Bei CD’s und Magnetbändern dreht sich wenigstens noch etwas, aber es ist schon keine richtige Bewegung mehr drin. MP3-Player, Smartphones und Tablets sind aber auf der einen Seite absolut bewegungsfrei. Auf der anderen Seite bewegt sich immerhin noch eine Lautsprechermembran. Ich könnte nicht sagen, dass es schlechter klingt, aber irgendwas ist anders. Es mag ein bisschen Nostalgie drinstecken, aber Vinyl ist nicht zuletzt wegen der Bewegung wiedergekommen. Es ist sicher möglich, akustische Erlebnisse direkt ins Gehirn einzuspeisen. Dann braucht sich überhaupt nichts mehr zu bewegen. Das wäre dann das Ende der Musik. Dann könnten wir akustische Phänomene wie ein Compu…