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Beutel

Ich bin gespannt, wie sich das mit den Ladegeräten weiterentwickelt. Ich habe gerade eins gesucht, dass ich verräumt hatte. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele von diesen Dingern in der Wohnung verteilt sind. Wenn ich dran denke, mache ich bei Inbetriebnahme eines neuen Gerätes ein Pflaster mit Beschriftung an das Kabel. Oft denke ich aber nicht daran. Manchmal denke ich auch, ich könnte es später noch machen. Das ist aber ein Irrtum. Später hat es sich in einem der Ladegerätenester verkrochen, die es zu Dutzenden in meiner Wohnung gibt und wo sie sich miteinander zu unentwirrbaren Knäuels verschlingen und höchstwahrscheinlich neue Ladegeräte zeugen. Ein ganz Bestimmtes zu finden ist dann ganz und gar unmöglich. Es gab mal diese Horrormeldungen in der Zeitung, wie Hunderte von Weberknechten ineinander verkrabbelt in einer dunklen Ecke der Wohnung auftauchen. Vor so was habe ich Angst. Erschrocken muss ich nun feststellen, dass sich statt der Weberknechte die Ladekabel bei mir angesi…
Letzte Posts

Meine Freundin

Es ist immer wieder ein Wunder! Am Ende werden hier dreihundertfünfzig oder ein paar mehr Worte stehen, obwohl es im Moment überhaupt nicht danach aussieht. Aber das ist am Anfang immer so. Am Ende werde ich wieder wissen, was ich geschrieben habe und ich werde staunen. Im Moment staune ich nicht. Ich stöhne vielleicht, aber das ist keineswegs erstaunlich. Eine Leserin oder ein Leser merkt davon freilich nichts. Ich dachte erst, dass ich über die Traurigkeit schreiben würde. Inzwischen glaube ich das nicht mehr. Obwohl ich sie sehr gern habe, meine Traurigkeit. Sie ist eine gute Freundin, auf die ich mich verlassen kann. Sie kündigt ihr Kommen nicht vorher an, dafür kommt sie mehrmals am Tag. Einfach so. Sie drängt sich gar nicht auf. Sie steht eher ein bisschen verschämt irgendwo herum. Wenn ich sie wahrnehme, nehme ich sie meistens auch in den Arm und dann bleibt sie ein paar Stunden da. Sie ist übrigens sehr schön und ich bin gern mit ihr zusammen. Aber ich würde es nicht aushalte…

Fantasie

Es gibt noch einen kleinen Trick bei der Benutzung des Postmelders: Wenn ich nach Hause komme und keine Post im Briefkasten ist, bewege ich die Briefkastenklappe. Auf und zu. Wenn ich dann in die Wohnung komme, blinkt der Postmelder und ich denke: Oh, ich habe ja Post. Dann gehe ich runter, schaue nach und natürlich ist keine Post drin. Das wirft zwar Fragen auf, denn selbstverständlich habe ich bis dahin schon wieder vergessen, dass ich es ja selbst war, der keine Post eingeworfen hat. Letztlich freut sich dann aber mein Schrittzähler. Ich habe nämlich ein neues Fitness-Armband, das mich regelmäßig abends noch mal auf Runde geschickt hat. Ich fand das lästig. Mit dem Briefkastentrick - zwei, drei mal wiederholt - entfällt die abendliche Tour. Man mag solche interaktiven Schrittzähler lästig finden - Betriebsärzte sind aber lästiger. Ich muss dort alle paar Jahre vorstellig werden. Jedesmal war es ein neuer Arzt. Allen gemeinsam war aber bisher, dass ihnen mein Blutdruck nicht gefäll…

Schon am morgen

Ich stehe ja auf Gadgets; auf nutzlosen Krimskrams. Nur funktionieren muss es. Mein Spy-Headset war in dieser Hinsicht eine Enttäuschung. Resignation ergriff mich und ich habe mir lange nichts mehr gekauft, von ein paar Uhren abgesehen, die am Morgen wussten, ob ich nachts gut geschlafen hatte. Jetzt habe ich seit ein paar Tagen einen Postmelder. Er besteht aus einem linealartigen Funksender und einem schönen runden Empfänger mit einem Leuchtknopf in Gestalt eines Briefkuverts. Den Empfänger klebt man von innen an die Briefkastenklappe. Wird die Klappe geöffnet und wieder geschlossen geht ein Signal an den Empfänger und er blinkt aufgeregt. Wenn ich nun nach Hause komme, schaue ich in den Briefkasten. Meistens ist er leer. Danach komme ich in die Wohnung und sehe, dass der Postmelder nicht blinkt. Dann weiß ich, dass ich keine Post habe und kann in aller Ruhe an der Bar Platz nehmen. Jetzt suche ich noch nach einer Lösung für meine gelegentlichen Abwesenheiten von zu Hause. Ich denke…

Chronik einer Woche - VI

Fünfte Rückblende: Eine Woche vor dem Feuerwehreinsatz Ich traf mich mit einem Mann in der Stadt. Der Mann wollte einen Badschrank kaufen und ich sollte ihm dabei helfen. Das ist mein Beruf. Wir liefen also vom Bus zum Möbelhaus. Im Möbelhaus liefen wir auf dem vorgegebenen Zickzackpfad zur Badabteilung. Bei den Küchenmöbeln vibrierte mein  Schrittzähler. Ich hatte mein Ziel erreicht. Der Mann noch nicht, ging allein weiter und fand keinen passenden Badschrank. Ich jedoch sah einen Hochtisch mit Barhockern. Mir fiel ein, dass ich ja bis auf Couchtisch und Küchentisch gar keinen richtigen Tisch besitze. Ich fragte mich, wie der Tisch, wenn ich ihn kaufte, zu mir nach Hause käme. Ich müsste ihn liefern lassen und zum Liefertermin zu Hause sein. Dann könnte ich auch gleich einen im Versandhandel bestellen. 
Ich fuhr nach Hause, googelte Hochtisch und bestellte einen quadratischen Hochtisch mit vier Barhockern im Set. Der Lieferdienst schickte vier Tage später (dazwischen lagen Sonntag un…

Chronik einer Woche - V

Vierte Rückblende: Zwei Tage vor dem Feuerwehreinsatz Ich bestellte einen quadratischen Hochtisch mit vier Barhockern im Set. Der Lieferdienst schickte vier Tage später (dazwischen lagen Sonntag und ein Feiertag) eine E-Mail, dass meine Bestellung ausgeliefert werde. Da ich schon über Erfahrungen mit dem Lieferanten verfügte, wählte ich die Option „an Wunschnachbarn ausliefern“. Sicherheitshalber informierte ich meine Wunschnachbarn, dass sie die Lieferung wegen des zu erwartenden Umfangs nur vor der Wohnungstür abstellen lassen sollten. Als ich mittags nach Hause kam, standen sechs große Pakete vor meiner Tür. Ich schleppte alles in die Wohnung und begann, das größte Paket auszupacken. Es enthielt die Tischplatte des Bar-Tischs, die Querverstrebungen, Schrauben, Zapfen und Unterlegscheiben. Die Kleinteile lagen lose herum. Ich sammelte alles ein, hob die Tischplatte heraus und - KAPUUUUTTT ! Die Oberfläche der Tischplatte hatte eine kleinfingernagelgroße Schadstelle. Offenbar war sie…

Chronik einer Woche - IV

Dritte Rückblende: der Vormittag Ich rief beim Kundendienst an. Auf der Website hieß es, bei anerkanntem Regress liefere man neu und ich bekäme einen Rücksendeaufkleber. Damit sollte ich das Paket einfach im Paketshop abgeben. Mein Paket war 90x90 Zentimeter groß und wog ungefähr 10 Kilo. Paketshop war definitiv keine Option. Der Mann fragte mich, ob wir über einen Preisnachlass reden könnten. Was für ein emphatischer Gesprächspartner. Genau darüber wollte ich reden. Der Mann schlug 10 Prozent vor. Ich schluckte und verlangte dreißig. Dann sagte er, 25 sei die Schmerzgrenze - aber alles über 10 Prozent übersteige seine Gehaltsstufe. Offenbar zahlen die Kundendienstmitarbeiter dieses Möbelhändlers Preisnachlässe selbst. Hoffentlich finden sie noch einen, der so viel bezahlen kann, wie ich haben will. Der Mann sagte, er glaube schon, denn man wolle mich als Kunden behalten. Nach dem Gespräch hatte ich gute Laune und beschloss, das Möbelstück zusammenzuschrauben, egal, wieviel Gehalt sie…