Posts

Keine Wahl

Man muss sich das Leben vielleicht wie ein Bild vorstellen, nur dass wir das fertige Bild eben nicht zu Gesicht bekommen, denn das fertige Bild sind wir selbst. Manchmal „erinnern“ wir uns daran, wie es weitergeht. Das ergibt dann diese deja-vu-Momente, die einem deshalb so bekannt vorkommen, weil das Bild ja schon fertig ist. Zu meinem Bild gehören alle Lieder und Geschichten und ein Roman-Fragment. Ich habe deutlich genug gesehen, dass es ein Fragment bleibt. Wenn man großes Glück hat, sieht man sein Bild in seinem allerletzten Augenblick und dann versteht man es, wenn man noch klar genug im Kopf ist, um zu verstehen. Das ist aber für die Schönheit des Bildes nicht notwendig. Das Bild muss sich ja nicht selbst schön finden und verstehen muss es sich selbst gleich gar nicht. So ein Bild ist ja auch nicht für alle Menschen gleich schön und manche können gar nichts damit anfangen. Aber irgendjemanden gibt es, der es in sein Herz schließt. Das Leben ist nun aber nicht für die Menschen …

Der Sommer

Den Tag über schreibe ich gute Ideen auf kleine Zettel, worüber man schreiben könnte. Wenn ich dann endlich mal dazu komme, mich auf den Hosenboden zu setzen, schreibe ich aber niemals etwas von den guten Ideen. Wenn ich überhaupt schreibe, schreibe ich etwas völlig anderes. Am Ende bilden die Zettel so eine Liste von Themen, über die ich auf gar keinen Fall schreiben werde. Niemals! Eine Not-to-do-Liste. Ich weiß nicht, warum das so ist. Wenn ich will, dass etwas garantiert nicht erledigt wird, muss ich es mir nur fest vornehmen. Allein die Dinge, von denen ich noch gar nicht weiß, dass es sie überhaupt gibt, werden sofort erledigt. Das geht sozusagen von selbst. Statt einen Text zu schreiben bestelle ich zum Beispiel gerne im Internet. Ich könnte auch die ganzen Versandbenachrichtigungen aneinander kopieren, die während eines Schreibversuchs so eintrudeln oder die Benachrichtigungen, dass meine Kreditkarte belastet oder etwas von meinem PayPal-Konto bezahlt wurde. Dann wäre das Bla…

Freitag

In meiner Garage habe ich den Montageständer aufgestellt. Heute ist aber Donnerstag, darum fuhr ich mit dem Fahrrad zu Berger nach Bernau. „Ich glaube, hier ist was lose“ sagte ich und wackelte mit dem Tretlager. Herr Berger lachte und entgegnete „Mit Sicherheit!“ Es ist zum Glück nicht mehr Herr Berger, denn der hätte mir jetzt ein neues Fahrrad verkauft und mich auch noch dazu gekriegt, das alte auf dem Gepäckträger wieder mitzunehmen. In der Garage hätte ich es dann zu den anderen kaputten Rädern gestellt. Der andere Mann sagte „Freitag“ und verschwand mit meinem Rad in der Werkstatt. Ich ging meiner Wege. Heißt der Mann jetzt Freitag oder soll ich Freitag das Fahrrad abholen? Ich kann nicht jedesmal nachfragen, das wirkt so begriffsstutzig. Es ist ja auch egal. Hauptsache, sie machen das Fahrrad wieder ganz, denn jetzt könnte man schön umherfahren. Das ging zuletzt nicht mehr. Erst quietschte es und dann machte es immer öfter „krrrrkkkhh“ und ich trat ins Leere. Ich glaube, ich b…

Auf, auf und davon

Ich muss schon sagen, das Bahnfahren hat mir neulich so viel Spaß gemacht, dass ich mir schon wieder eine Fahrkarte gekauft habe. Ob ich wirklich fahre weiß ich noch nicht, aber die Storno-Gebühr beträgt 19 Euro, das finde ich durchaus vertretbar. Das Schöne am Bahnfahren ist, dass es zwar planbar, aber doch so prinzipiell unvorhersehbar ist. Es kommt auf jeden Fall irgendwas dazwischen. Dass muss nicht zu einem völlig anderen Ergebnis führen, aber man kann nicht genau wissen, was einem passiert. Und das auf jeder Reise! Ich bin mehr als 15 Jahre lang immer auf derselben Autobahn gefahren, bis sich dann einmal etwas Unvorhergesehenes ereignet hat. Bis dahin einfach nur öde Langeweile. Beim Bahnfahren ist keine Fahrt wie die andere. Es ist jedes Mal ein Abenteuer. Eigentlich ist Bahnfahren heute, das wurde mir klar, so wie Yoga in den 80ern. Oder wie Hochseeangeln oder wie Bergsteigen. Man lernt etwas über sich selbst, kommt an seine Grenzen und erweitert sie spielerisch. Darum sind d…

Alsuna - Penelope´s Song

Bild

Vorbild werden

Mit der Sprache ist das immer so eine Sache. Man ringt um Worte und Begriffe und meistens kommt nur Murks dabei raus. So gab es zum Beispiel mal eine Zeit, da hat man ganz selbstverständlich von den Behinderten gesprochen. Vorausgesetzt, man gehörte selbst nicht dazu. Behinderte, das waren immer die anderen. Meine ersten Begegnungen mit Behinderten hatte ich in der Freizeitarbeit als Mitarbeiter und Organisierer von Gruppenreisen. Da hießen die Behinderten dann Teilnehmer. Einmal bin ich durcheinander gekommen, als wir eine Fahrt mit behinderten und nicht behinderten Teilnehmern hatten und ich nur die nichtbehinderten versammeln wollte, um etwas zu besprechen. Was sagt man da? Nur die ohne Ausweis?

Behinderte wohnten in Behindertenheimen. Am Anfang dieses Jahrtausends begann ich, für solche Heime zu arbeiten. Dann sollte man irgendwann besser nicht mehr „Behinderte“ sagen. Wir sagten „Bewohner“ und die Heime wurden zu Wohnstätten. Die Bewohner wurden dann ziemlich schnell zu Kliente…

Friedlich und sanft

Es tut mir leid, aber ich mag einfach keine Männer. Ich bin viel lieber unter Frauen. Ich selbst bin ganz froh, keine Frau zu sein, denn ich genieße natürlich gern alle Vorzüge einer männerdominierten Welt, ich kann sie aber nun mal nicht leiden. Inzwischen kann ich auch keine Fernsehnachrichten mehr sehen, wenn sie von Männern vorgetragen werden, Radio hören geht auch nicht mehr. Ich erinnere mich manchmal an den Geruch in der Männerumkleide bei Stahl Hennigsdorf. Dann wird mir übel. Wie gesagt, bei Frauen ist mir wohler. Leider ist es bei den meisten Frauen andersherum. Es dauert nie lange und sie schleppen irgendwelche Männer an. Ohne zu fragen und ganz selbstverständlich. Nur deswegen muss ich auch den Kontakt zu Frauen auf das Notwendigste einschränken. Das ist übrigens auch in monogamen Beziehungen so. Ich bin oft genug darauf hereingefallen. Erst ist man selbst der Mann der angeschleppt wird und sitzt grinsend in der Küche, während der andere seine Sachen packt. Nur wenig spät…